Ile de Maurice,
Südlicher Wendekreis: 20°30' S 57°13' E
Grander vor Mauritius
Dort wo alle Autos auf der falschen Seite fahren und das Essen nach Frankreich schmeckt, meist aber von einem Chinesen, Inder oder Kreolen zubereitet wurde.
Sitzt man im Flugzeug, ist das Eiland plötzlich da; als dunkelgrünes, teil-bewölktes Etwas taucht sie einsam und verlassen am Horizont auf. Ihre gezackte Skyline zeichnet sich jetzt klar gegen den Horizont ab.
Der tiefblaue Indische Ozean umfasst sie und beim Anflug erstrahlt die Insel in ihrer ganzen Schönheit und Farbenpracht. Das Riff leuchtet jetzt am frühen Morgen in allen nur erdenklichen Farbtönen und Kontrasten: über marlinblau, smaragdgrün, türkis bis perlweiß, um sich dann im großflächigen Grün der Zuckerrohrfelder und den immer grünen Mischwäldern zu verlieren. Siedlungen überziehen spinnenetzgleich die ganze Insel.
Das Flugzeug schwenkt nun über der Westküste ein, jetzt kennt man unter den Mitreisenden die Mauritiusangler; sie suchen nach den kleinen weißen Punkten, die vor der Westküste um diese Zeit ihre Kreise ziehen müssten.
Das Marlinfieber bricht aus - wir müssen sofort dorthin!
Springender Marlin
In der "Big Game Szene" gilt Mauritius seit Jahrzehnten als "Blue Marlin Revier" - Ende November bis Anfang März ist in den meisten Fangkalender angekreuzt; für viele war das immer schon so und muss auch immer so bleiben. Seit Anfang der 80er fliegen wir jetzt schon regelmäßig auf die Insel, meist auch im Februar oder Dezember. Aber die ganzen Jahre über hatten wir im Hinterkopf: Ende März Anfang April muss doch auch noch etwas los sein oder kennen die Marline den Kalender?
Stephan drillt
Wir studierten (seriöse) Fangberichte und Statistiken und befragten sehr oft und lange einheimische Handleinenfischer und Crews; deshalb auch unser neuer Zeitplan: im März und April muss es passieren! Was sprach noch für unsere Wahl: Die Zyklongefahr ist von Januar bis Ende Februar am größten - wer schon mal einen erlebt hat, wird uns verstehen. Die Fangstatistiken lassen noch einen anderen Trend erkennen: mehr größere Marline wurden in der frühen Vor- oder späten Nachsaison gefangen; offenbar wandern sie mit den großen Gelbflossen Thunfischen!? Regelmäßig kommen größere Schwärme für 1 bis 2 Wochen im April in Inselnähe. Und was für uns fast noch wichtiger ist: Mauritius bedeutet auch immer Familienurlaub; im mauritianischen Spätsommer sind die Temperaturen erträglicher, die Luftfeuchtigkeit nicht so hoch und die Moskitos haben ihre Hauptarbeit hinter sich!
Wilde Kämpfer
Viele Mauritiusangler planen so:
"2 Wochen bin ich dort, 14 Tage müssen die Lures laufen - irgendwann wird schon ein Marlin zupacken...".
Uns ist diese Strategie zu eingleisig bzw. das Ergebnis - wenn es gut gelaufen ist - sieht meist irgendwie so aus, 14 Ausfahrten: 2 kleine Marline und einer um 500 lb., also eine Quote um 1 : 5.
Schöner Fang
Deshalb nehmen wir zusätzlich seit Jahren Fliegen- und Spinnruten und das entsprechende Zubehör mit und "opfern", bei Antreffen von Skip Jacks oder Goldmakrelenschwärmen, 1 bis 2 Stunden, unserer "Marlinchance" für diese Kraftpakette. Wer sich am leichten Gerät den Drill eines kapitalen Skip Jacks um 40 lb. entgehen lässt, ist selbst dran schuld!
Unsere Highlights in den März-April Urlauben:
Blaue Marline 1001 und 760 lb. beide mit 80er Leine
Blauer Marlin mit 411 lb. mit der 50er
ein Schwarzer 500 lb. mit der 80er
der größte Gelbflossenthunfisch hatte 186 lb. mit 50er
Skip Jacks und Goldmakrelen an der Fliegenrute bis 25 lb.
und an der Spinnrute bis 50 lb..
Mehrmals machten wir auch Kurztrips auf die Nachbarinsel Rodrigues Island (gehört zu Mauritius); dort fingen wir :
Giant Trevallies bis 115 lb.
Unmengen Wahoos bis 70 lb.
und Goldmakrelen bis 50 lb.
vereinzelt nahmen auch kleinere Hundezahn- und Gelbflossenthunfische bis 80 lb. unsere Köder.
Stephan mit Speerfisch
Jetzt zum "Kleingedruckten" bzw. zu den mauritianischen Eigenheiten:
"Jetset" bzw. "1 Woche, schnell mal einen Marlin fangen" geht in der Regel in die Hose! Mindestens sollte man 2 Wochen dort sein und ein um den anderen Tag Ausfahrten machen. So hat man hat eine reelle Chance auf einen Marlin!
Wer mit leichterem Gerät angreifen will, sollte dies auch mitbringen, Spinn- und Fliegenruten in den entsprechenden Klassen und auch neue Lures, besonders die aktuellen Modelle und Farben, steigern die Chancen noch zusätzlich!
Dorado im Sprung
Bei den Booten (meist aus den 70ern) und bei der Fangtechnik bleiben die Mauritianer bei ihrem bewährten System. Nur widerwillig akzeptiert man 50er Geräte und Sie sagen : "Catch + Release - sollen die machen, die es sich leisten können...".
Es sind halt noch echte Berufsfischer, die ihren Lebensunterhalt auch mit den gefangenen Fischen einbringen müssen! Und wenn die Angler zwar "Catch + Release" lauthals einfordern, aber sich dann beim entsprechenden Trinkgeldern (Ausgleichszahlung) zurückhalten oder knausern - na ja, kann man doch irgendwo verstehen oder?
Egal, auf Mauritius wird man nie verstehen, dass Angeln ohne die Fische zu töten bzw. dem menschlichen Verzehr zu zuführen einen Sinn ergeben soll; für die Mauritianer, die vom Fischen leben müssen, ist und bleibt es: "trouble mentale, fou...".
Stephans Blue Marlin
Auch sollte vor Mauritius der Angler die Fische im Schweiße seines Angesichts erkämpfen bzw. er muss mitleiden!
Hinterher fahren und die Crew muss dann einen noch kampfstarken Fisch am Vorfach bändigen... wird dem Angler als Faulheit und Feigheit angekreidet.
Also gut überlegen bzw. nicht jammern, wenn man damit auf Mauritius nicht groß raus kommt.
Zu guter letzt das Wichtigste: auf Mauritius war und bleibt: 1 lb. = 0,454 kg - und hoffentlich bleibt das auch noch lange so auf der Ile de Marlin Bleu!
Was macht die Insel noch interessant:
Geringe Kriminalitätsrate, Angel + Familie kein Problem, Essen und Trinken, Land und Leute, Badeurlaub, keine schlimmen Tropenkrankheiten, stressfreies Hinkommen, noch bezahlbar, eine fremdenfreundliche und interessante Multikultigesellschaft, sehr kinder- und familienfreundlich, 2/3 der Insel ist von paradiesischen Sandstränden umgeben und die Deutschen mag man von den Europäern am liebsten!
Bootspreise Charter: 9 Stunden 200 bis 300 Euro. Wem das zu billig oder nicht edel genug erscheint - es gibt auch eine "Luxus-Elite-Teuer Klasse"!
Die verwendeten Gerätschaften :
- Spinnrute mit 60 g WG und shimano baitrunner 6500 mit ca. 250 m Fireline
- Fliegenrute Thomas + Thomas, 4teilig, Klasse 8 mit einer LOOP 3W mit SW-WF FLoating Tarpontaper
- Fliegenrute Thomas + Thomas, 4teilig, Klasse 10 (Eigenbau Blank ) mit ABEL SUPER 10 + SW-WF FLoating Tarpontaper

Stephan mit Gelbflossenthun
Das "Grobzeug" :
- 50 TW PENN INTERNATIONAL 6` oder Stand Up 5 ´6" Eigenbau mit einer ANTAL DUEL
- 80er PENN INTERNATIONAL 80 STW + ANTAL DUEL 10/0 mit ca. 600m Dacron + 250 Mono eingespleißt
- SHIMANO 80W Tiagra Stand-Up 50-100 lb 5`6" + EVEROL 10/0 mit ca. 600m Dacron + 250 Mono eingespleißt
- außerdem sind noch folgende 80lbs Ruten dabei : 1 x Penn 6´ und Trolling Modelle 7´ Blue Marlin, SPORTEX MAGNUM 80 und PENN 80 lb.
Die Schnüre sind in der Regel ANDE oder Berkley Big Game oder CLIMAX
Zum Autor :
Robert Rein lebt in München und blickt auf über 20 Jahre Big Game Erfahrung zurück. Er hat zusammen mit Stephan Kreupl das Buch "Bluewater Fishing" geschrieben. Dieses Buch hat das Zeug zu einem Standard Werk in der Deutschsprachigen Big Game Bibliothek und sollte in keiner Sammlung fehlen!